Graffitiwriting als Zeitzeuge

Immer wieder muss ich feststellen, dass in Spielfilmen, die in der Vergangenheit spielen sollen, die darin vorkommenden Graffitiwritings einen anderen Zeitraum veraten. Wie alles ist auch Graffitiwriting Moden und Entwicklungen unterworfen, die sich über die Zeiten verändern. In dem deutschen Spielfilm 23 sieht man Graffitipieces, die zum Zeitpunkt der Handlung noch gar nicht entstanden sein konnten. So sieht man z.B. in einer Sequenz, die in Ost Berlin spielen soll im Hintergrund ein Silberbombing-Piece, dass locker erst 1995 entstanden sein kann. Die Handlung des Films spielt aber vor 1989 und somit konnte da kein Graffiti sein.

Ähnlich verhält es sich in Blood In Blood Out, einem amerikanischen Spielfilm, der in East Los Angeles im Jahre 1972 spielen soll. Die Graffitipieces und Tags sprechen aber eine ganz andere Sprache. Sie stammen frühestens aus den 90ern, da dort Stilistiken und Techniken verwendet werden, die in den 70ern noch nicht bekannt waren.

Authentisch hingegen sind die Tags und Trainpieces in The Warriors, einer zum Kult avancierten Billoproduktion über die Gangs von NYC aus den späten 70ern. Allein der Soundtrack ist schon ein Brett.

Ich sehe schon ein kulturantropologisches Fach, dass sich genau mit dieser Thematik dieser Zeitfehler beschäftigen wird.