Aufklärung

Präventionskitschmalerei aka Zensur aka Flächenvorabbesetzung mit ästhetischem Abfall nach Controller Geschmack

Innenwand bei Leipziger & Partner, 1990 ©Bomber

Triviale Ästhetik ist ein heikles Thema. Und das nimmt niemand gerne in den Mund, weil man sich denjenigen dann auch ganz gerne verbrennt. Ich muß es aber tun, da mir gelungene oder zumindest überraschende Ästhetik am Herzen liegt und ich mich gerne damit auseinandersetze. Seit circa 10 Jahren, viel gerühmt (da es die fama des Nie-Übersprühens gibt) kommt es vor, daß Energiekonzerne, Bahnbetreiber und ähnliche Institutionen ihre von wilden Besprühungen bedrohte Flächen vorab durch mit Farbsprühdosen agierende Lüftlmaler besetzen lassen. Die Thematiken der vorweggenommenen Sachbeschädigungen reichen von den immer gleichaussehenden Blümchenwiesen über die pauschalisierte Unterwasserwelt hin zu den in den letzten Jahren äußerst hippen Baby- und Kindsköpfen, vorab in Photoshop schrecklicherweise montiert und dann auch eins zu eins genau so umgesetzt. Von den Skylines will ich hierbei schon gar nicht mehr sprechen. Fotorealismus mit der Spraydose schön und gut-vielleicht auch für zuhause und auch im Kinderzimmer, aber wer kann und will das noch draußen sehen? Warum nicht gleich eine Werbenanzeige auf die Fläche drucken und wieso muß der Kram dann immer gebetsmühlenartig gleich langweilig umgesetzt werden?

Wie wäre es denn als Alternative diese Flächen vorab mit einem echten kulturellen Mehrwert zu besetzen? Denn bei der beauftragten Lüftlmalerei geht es ja keineswegs um den Sachverhalt der künstlerischen Leistung und des individuellen Ausdrucks und Konzeptes, sondern einer Vorabbesetzung und damit einhergehender ästhetischer Zensur:

Röhrender Hirsch contra Style?

Eine echte Stylewriting Gestaltung, gestandene Graffitisten und keine kastrierte Photoshopmontiererei wäre eine schöne Idee und wird hiermit auch von mir zum Diskurs gestellt. Oder wird der nächste Präventionstrend von Tape Artists, StickerkleberInnen und Strickmammseln im öffentlichen Raum (gerne auch als Street Art tituliert) umgesetzt, die dann bunte Irgendwase in den öffentlichen Raum basteln? Gefördert von der IHK, dem Innovationszentrum der Kreativwirtschaft und den Hochschulen für Verwaltungsgestaltung?

Klar, hochbücken ist keine Frage der Ehre und ernährt vielleicht auch etwas seine Urheber, aber ist es wert dafür schöne Pigmente zu verbrauchen? Sind wir da nicht schon beim Gegenpol des von den Medien und Beklagten geächteten Silberbombings angekommen? Diesen Diskurs wünsche ich mir einmal im Feulleton der F.A.Z. zu lesen.