Vom so genannten „Künstlerdasein” in Deutschland

Respect is not a one way street – Henry Rollins

 

Zwischen Pausenclown, Pädagogik und Bürgerschreck: Wer in Deutschland versucht, rein von freier und angewandter Malerei, respektive so genannter bildender Kunst zu leben, geht einen einsamen Weg. Gerade mal eine Promille der bildenden Künstler kann angeblich von ihrer Kunstproduktion leben (Quelle: Boesner Magazin).

Und tatsächlich, selbst unter studierten und vermeintlich etablierten Artisten sucht man die durch die Kunst zu Wohlstand gekommenen, wie die Nadel im Heuhaufen.

Nun, willkommen … ich bin eine Person innerhalb der Promille.

Zeitgenössische bildende Kunst und Design in Deutschland, die sich außerhalb der Institutionen bewegen dürfen wenig bis keinen Erfolg haben. Gerne werden Themata aus diesen offenen Bereichen offiziell unter der Rubrik „Volkskunst” diskreditiert und gerne auch als wertfrei begriffen. Warum solche Beurteilingskriterien hier so unfassbar gut greifen, liegt möglicherweise in der Handhabung mit den zu erziehenden Menschen; respektive dem Bildungswesen. In Deutschland möchte man sich ungern blamieren und geht gerne daher auf Nummer Sicher. Hier möchte man cool sein. Leider ist man das durch blindes schwarmsicheres Nachkaufen/Konsumieren von Produkten eben genau nicht. Diesen nur gesellschaftlich akzeptiertes, also massenmedial Vorgelebtes zu feiern wäre ein Lernprozess der aufgebrochen werden dürfte.

Normbrüche gelten hier auch gerne als verwerflich und werden daher oftmals verkriminalisiert.

Unsere Gesellschaft lehrt hier, je nach Klassifizierung der Finanzkraft der Erziehungsberechtigten, nur zu funktionieren, eben nicht als selbstständiges Wesen (mit eigenen Werten) zu agieren, sondern etabliert in der sozialen Sicherheit der Nachbarn und Masse seine Erfüllung zu finden, oder eben auch bei ausreichender Honorierung/Entlohnung der Lehrenden einem freien Willen (kann es den in einer massenmedial konditionierten Welt überhaupt geben?) zu folgen.

Trotz allem entwickelten sich außerhalb dieser institutionalisierten Zentren Kulturbereiche, die autonom auf eigene Ästhetiken und außerschulisch eigenes Lernen beinhalteten. Gerne fällt in diesem Zusammenhang eines meiner Lieblingsworte: Subkultur.

Ein Klischee davon wird aktuell immer mehr von der offiziellen Schulpädagogik übernommen, aber Lehrer sind eben keine echten Sachbeschädiger und werden niemals echte Street Artist/Graffiti-Stylewriting Artists sein, denn das eine schließt eben das andere aus.

Die natürliche Autorität ist durch nichts zu ersetzen und Spaß bleibt der beste Lehrer.

 

 

 

Berufsbild Künstler

 

Ich muß mich und meine Leistung nicht ständig unter Beweis stellen. Graffiti, ob es jetzt Kunst ist, Sachbeschädigung, Wertsteigerung, Immobilienaufwertung oder -abwertung darstellt, spielt überhaupt keine Rolle. Fakt ist doch der, daß die Beteiligten mit Graffiti als einzig echter Street Art kontinuierlich schon seit über 40 Jahren übernational an einem Oberflächenveränderungsprozeß teilnehmen, dies schon lange als kultureller Bestandteil akzeptiert sein sollte und dieser Prozess massive Auswirkungen auf die Bildung und die Gesellschaft an sich hat.

Der Bundesverband Bildender Künstler BBK, als Berufsvertretung (!) der Bildenden Künstlerinnen und Künstler hingegen besteht vermutlich aus 99 % aus in Rente stehenden und einigen wenigen aktiven Lehrkräften, Pädagogen und anderweitig versorgten Personen.

Als ich dessen hessischen Vorstandsvorsitzenden Peter Pelikan (laut eigener Aussage kein Künstlername) nach einer Atelierversicherung fragte, antwortete er mir, daß er sich so etwas nicht leisten könne.

Wer so, wie ich es wagt, trotzdem von seinem Talent zu existieren, erlebt die skurilsten Versuche möglicher Auftraggeber und potentieller Käufer, die eigene Malerei als unwertig darzustellen und es geschickt als Nichtigkeit zu diskreditieren.

Oft gehörter Top-Spruch: „Mach doch mal. Du machst das doch gerne.” und „Du schüttelst das doch aus dem Ärmel.”

Man selbst, als im Tauschsystem-Konditionierter antwortet dann oft: „Gib mir eine bestimmte Menge bunt bedruckter Papierzettelchen (der Wertigkeit halber mit Kunstwerk darauf-einem Stich) im Vorfeld und ich lege los.”

Unwertig um so mehr, weil in meinem sehr speziellen Fall meine angebotenen künstlerischen Geschäfstfelder Graffiti, Urban- und Street Art auch und gerne vorrangig wild und frei/kostenfrei erstellt werden, die (Produktions-)Kosten also auf der so genannten „Verursacheseite” liegen. Im Wirtschafts-und Umweltbereich das so genannte Verursacherprinzip. Graffiti darf also weiterhin kein Handwerk sein, Kunst darf es aber auch nicht sein. Was ist es dann?

Weiterhin erlebt der Davon-Lebendwollende den irrwitzigen Versuch der (Kriminal-?)Pädagogik, eine Systemik zu generieren, Lehrkräften und Pädagogen im Sektor Kunstunterricht Instrumente in die Hand zu geben, den Kindern und Jugendlichen Graffiti  im offiziellen Lehrbereich des Kunstunterrichts vermeintlich fachgerecht weiterzuvermitteln. Ein echter Albtraum.

 

Offizielles Kunst-Lehrbuch mit Beispielen anhand wilder Graffiti aus Frankfurt

 

Ich entschied mich schon sehr früh dieser Tätigkeit, dem Sprühen also, eine Wertigkeit zuzusprechen und diese auch von der Gesellschaft zu fordern. Mit dem Erfolg, daß folgender Nachwuchs, der nie wild agierte, trotzdem malerisch mit der Dose tätig ist als Rolemodels und Vorbilder für pädgogische Maßnahmen agieren dürfen und damit wiederum die Wertigkeit absprechen dürfen (siehe Welt-Kompakt-Artikel: Die Perfektion des Unperfekten).

Denn die handeln erstaunlicherweise wiederum kostenfrei. Beispiele gibts zuhauf, nicht nur in Frankfurt: Herakut, Naxosbande in FFM, Artists im „The Haus/Berlin” gestalteten & künstelten sogar nur für ’ne Pizza.

20 Street Art Künstler Honorar-eine Pizza

 

Wem soll hier was durch solche Artikel gesagt bzw. gezeigt werden?

Soll der so genannten schweigenden Mehrheit gezeigt werden, daß wenn es etwas wild aufgebracht hat, es weiterhin keine Wertigkeit haben darf?

Selbst wenn es erlaubnisrechtlich gesichert ist, darf es trotzdem keinen Wert haben?

Andi Warhol hatte recht. Es geht nicht um Kunst. Es geht nie um Kunst. Es geht um Tausch und Mehrwert bzw. Vermögenssteigerung. Kunst ist Arbeit. Verkaufen ist Kunst.

Darf Artwork, respektive Kunst am Bau nur dann eine Wertigkeit besitzen, wenn es offiziell als Kunst bestätigt wurde? Und wann ist es das? Wenn es eine große Tageszeitung als internationale Graffiti-Kunst tituliert?

Hat es nur eine Wertigkeit, wenn Sozial- und oder Kunstpädagogen, die nie den Akt des wilden Sprühens vollzogen, dem Nachwuchs die ordentliche Indoktrination des geordneten Sprühens näherbringen?

Umgekehrt wird für viele Architekten ein Schuh daraus. Ausgestattet mit dem Künstlerstatus lässt sich da einiges finanziell abräumen und man wird politisch noch gefeiert. Ein Hoch darauf, daß Kunst keine für den Begriff stehende Grenzen aufweist.

Klar, Deutschland hat im 3. Reich systematisch Kunst normen wollen. Dieses heisse Eisen möchte heute niemand mehr in die Hand nehmen wollen. Daher wird jetzt sehr viel heisse Luft produziert und diese dann als der heisse Scheiß gefeiert und tatsächlich frei agierende bildende Künstler muss man auf der Landkarte mit der Lupe suchen.

Nicht umsonst haben wir in Deutschland Kunststudienfächer, die stark subventioniert werden, anscheinend um der Sache Willen.

Auch hier darf Kunst nur überleben, weil sie supportet wird. Wie ist also das Berufsbild des Künstlers zu erklären, wenn er nicht einmal dem Erhalt der Person dient? Ein Hobby? Eine Berufung für Leidenschaft, eine Selbstkasteiung?

Für den so genannten Künstler bleibt in dieser Gesellschaft nur die Rolle des Bürgerschrecks oder Pausenclowns übrig.

Trotz allem scheint es Menschen zu geben, die sich gerne Künstler nennen, dann meistens pädagogisch im Staatsdienst handelnd dem Täglich-Broterwerb agieren und sich durch die Bürokratie wälzend, Anträge verfassend und Protokolle schreibend der Offizialität huldigen.

Ich kann ein Lied als ehemaliger 3. Vorsitzender des Wiesbadener BBK davon singen: Zwei Jahre lang durfte ich Protokolle schreiben, Anträge mitverfassen und bürokratische Willkür als Alltag ertragen, vom politisch gewollten, absichtlichen Nichtvorwärtskommen ganz zu schweigen.

Institutionalisierte moderne Kunst in Museen scheint keinerlei gesellschaftsrelevante Kraft (der Veränderung) zu haben. Sie entspricht anscheinend nur noch der Meinung der sie umschließenden und beratenden Institutionen. Auch was die so genannte Förderung angeht, kann man es nur als Witz bezeichnen, welche Summen und welche Finanzkrümel da in diese Form der Gestaltung fließt. Hingegen wird wilde und freie bildende Kunst oftmals verkriminalisiert und/oder ist ein krimineller Akt laut so genannter temporärer Rechtsprechung.

Warum aber Kunst, vor allem im so genannten öffentlichen Raum und in der Bildung eine imanente Rolle spielen sollte, zeigt dieser Kurzfilm eindrucksvoll:

 

Förderungswürdige Kunst und Kultur in Deutschland

Nicht nur in Deutschland wird diese Form der Kunst und Kultur gerne diskriminiert und als so genannte Subkultur tituliert, förderungswürdig ist dagegen die so genannte Hochkultur. Ein schöner Trick sich Fördergelder und verwaltete Gelder zu sichern. Hier anzusetzen, wird die zukünftige Aufgabe von echten gestaltenden Artists meines Kalibers sein.

Witzigerweise haben wir ja in dem Zusammenhang auch eine Zwangsabgabe, die zu einem nicht unerheblichen Teil auch an darstellende Künstler geht, die GEZ.

Keine Hochkultur-keine Subkultur. Tape Art Installation der Expo/Ausstellung „Sachbeschädigung”, MTK Landratsamt 2015 © VG Bildkunst Helge Steinmann/Bomber